Libyen in der Zeit des Faschismus
... Einige Bemerkungen zur Vorgeschichte
Bis zum Jahr 1911 war Libyen ein Teil des Osmanischen Reiches. Am 28.September 1911 tauchten vor dem Hafen von Tripolis Panzerschiffe und große Truppenverbände Italiens auf. Obwohl der türkische Sultan die Kolonie widerstandslos an die neuen Kolonialherren übergab, wurde Tripolis mit Bombardierungen angegriffen und hunderte libysche Bürger/innen gehängt. Der Vatikanbank "Banco di Roma" verschaffte sich bereits im Vorfeld - neben anderen europäischen Kapitalisten - Bergwerkskonzessionen, Schifffahrtseinrichtungen und Industrieanlagen. So wurde die militärische Invasion ökonomisch vorbereitet.
Die Kolonialherren stießen auf einen starken Widerstand. Dem setzten sie ihren Massenterror entgegen. Allein die Bevölkerung von Barqa ist von 300 000 Menschen im Jahre 1911 auf 120 000 im Jahre 1915 zurückgegangen. Nach dem Ende des 1.Weltkrieges konnten sich die Besatzer wieder verstärkt der Bekämpfung des Widerstandes in Libyen zu wenden. Ende 1918 waren bereits 3 Divisionen, 56 Bataillone und 29 Feldbatterien stationiert. Jedoch konnten sie sich lediglich in den größeren Städten wie Tripolis halten.
Eine neue Qualität erreichte die Kolonialisierung mit dem Einsatz von Siedlern - dem Siedlerkolonialismus. Da sich die Besetzer nicht auf einheimische Kolaboratteuere als soziale Basis stützen konnten, wurden viele Italiener nach Libyen umgesiedelt. Damit exportierten die Kapitalisten aus Italien ihre sozialen Probleme nach Libyen und schafften eine neue Kleinbürgerschicht von Siedlern. Diejenigen, die in Italien auf der untersten Stufe der sozialen Skala standen, gehörten nun zur neuen Herrenschicht, die die Menschen in Libyen zu beherrschen hatten. In Italien wurde für das Leben in Libyen massiv geworben. Durch die bürgerliche Klassenjustiz Verurteilte erhielten Straffreiheit, Schuldnern wurden ihre Schulden erlassen und zusätzlich gab es Prämien. In wenigen Jahren sind 10 000 Italiener nach Libyen ausgewandert. In Italien selbst wurde die Arbeiterbewegung geschwächt. Zwischen 1930 und 1940 siedelten noch einmal mindestens 100 000 Italiener nach Libyen aus.

Die Machtergreifung der Faschisten im Oktober 1922 in Italien gab dem Kolonialismus eine neue Qualität. Im äußersten Westen, in der Wüste Syrte, errichteten sie Konzentrationslager und Widerstandskämpfer wurden einer "Sonderbehandlung" unterzogen.
Einer der Massenmörder, der inzwischen in Italien still rehabilitiert wurde, hieß Grazianie. Seinen faschistischen Auftraggebern in Italien berichtete er, dass er 139 192 Menschen einsperren ließ. Aber seine Berichte zeugen auch vom Widerstand. Die Zahl der größeren Schlachten gibt er mit 53 an. Hinzu kommen 210 "Scharmützel". Die Faschisten zogen einen 300 km langen Stacheldrahtzaun durch die Wüste, um die Kämpfer in Libyen von ihren Basen auf der ägyptischen Seite abzuschneiden. Systematisch wurden die Lebensmittel der Menschen zerstört. Im Gegensatz zu den Berichten über die Menschen ermittelten hier die Faschisten exakte Zahlen. Gab es1910 in Barqa (Kyrenaika)  713 000 Schafe, 23600 Rinder und  27 000 Pferde, waren es 1933 nur noch 98 000 Schafe, 8700 Rinder und 1000 Pferde. (E.E. Evans - Pritchard: The Sannussi of Cyrenaica. Oxford 1949, S.37) In Libyen gab 1933  weniger Haustiere als noch 10Jahre vorher exportiert wurden sind. Bis 1923 wurden allein aus Barqa jährlich 80 000 Schafe nach Ägypten exportiert. Bis 1930 wurden 200 000 Hektar, das ist der größte Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, durch die Faschisten beschlagnahmt und an weiße Kolonialisten übertragen. In den Städten dominierten italienische Geschäftsleute und in den Fabriken arbeiteten Arbeiter aus Italien. Der Widerstand gegen die Faschisten zeigte sich nicht nur in bewaffneten Aktionen.  Libyen wurde zur "terra italiana" deklariert. Die Libyer/innen sollten die italienische Staatsbürgerschaft beantragen. Von 1927 bis 1938 wurden insgesamt 14 Anträge gestellt, davon waren 7 von Libyern.
Am 14.September fiel Graziani mit 9 Divisionen und 250 Flugzeugen in Ägypten ein. Es kam zur Schlacht von Sidial - Barrani. Noch vor Jahresende waren 8 Divisionen der Faschisten aufgerieben. Neben den regulären englischen Truppen wurden sie von Widerstandskämpfern aus Libyen bekämpft.
Daraufhin baten die Faschisten aus Italien die Faschisten aus Deutschland um Unterstützung.  Es kam zur ersten unmittelbaren Konfrontation der Antifaschisten aus Libyen mit den deutschen Faschisten, nach dem diese in Libyen eingefallen waren.
Als die deutschen Faschisten unter Rommel im Nordwesten Ägyptens gelandet waren, stießen sie auf den erbitterten Widerstand arabischer und libyscher Antifaschisten. In langen und zähen Kleinkriegen fügten sie den deutschen und italienischen Einheiten empfindliche Verluste zu.
Bei der Reflektierung über diesen Zeitabschnitt wird mensch eine erstaunliche Übereinstimmung zwischen der bürgerlichen und kommunistischen Geschichtsschreibung finden, die als Neuauflage in bestimmten "antifaschistischen" Kreisen eine Wiederbelebung findet. Die ersten Opfer des Faschismus waren außerhalb der faschistischen Länder Menschen aus dem arabischen Raum. Sie waren aber auch diejenigen, die anfingen, den antifaschistischen Kampf zu führen. Dieses Kapitel wurde sowohl aus der bürgerlichen und kommunistischen Geschichtsschreibung ausgeblendet. Die Niederlage Rommels in Ägypten wurde im Wesentlichen durch arabische und libysche Menschen vorbereitet. Die bürgerlichen Vertreter in der Anti - Hitler - Koalition, wie England, waren Kolonialmächte. In ihren Kolonien herrschten nicht Freiheit und Demokratie, sondern die brutalsten Formen der Unterdrückung. Die sich in der kommunistischen Bewegung durchsetzende Theorie vom Sozialismus in einem Land führte erst zum Arrangement mit dem bürgerlichen Kräften. Der Kampf gegen den Faschismus wurde dann genutzt, um die Interessen der kommunistischen Bewegung denen der bürgerlichen unterzuordnen, siehe Volksfrontpolitik und Auflösung Kommunistische Internationale.
... Auszug Zum 40.Jahrestag der lybischen Revolution http://parteilehrjahr.dkp-lsa.de/html/libyen.html

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