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Aus: RABATZ Nr. 11/September 2009 Textreihe zum Thema: „Der Frontkämpfer Bund Die Schutz- u. Wehrorganisation der Arbeiterklasse"
Vor gut einem Jahr, in der Nacht zum 17. August 2008, wurde bereits der fünfte Mensch Todesopfer von faschistischer Gewalt in Magdeburg. Rick L. hielt sich am 16. August in der Diskothek „Funpark“ auf, traf dort auf seinen Mörder Bastian Ostermann, bezeichnete ihn als „Nazi“ und wenig später war er tot. Es war kein einfacher „Diskomord“, wie in den bürgerlichen Medien behauptet, sondern ein faschistischer Übergriff von einem vorbestraften Nazi auf einen Jugendlichen. Zustände, die für die rechte Szene all zu normal sind. Unsere Aufgabe als revolutionäre Antifaschistinnen muss es sein, antifaschistische Selbstschutzstrukturen aufzubauen, um eben genau solche Übergriffe auf unsere Klasse verhindern zu können und darüber hinaus auch selbst aktionsfähig zu sein. Eine antifaschistische Praxis ist in Magdeburg vorhanden, welche aber auch Schwächen und Lücken aufweist. Um an diesen Schwächen und Lücken zu arbeiten, bzw. diese zu minimieren, werden wir uns in diesem Artikel und in den weiteren Wochen im Rahmen einer Aktionswoche mit einem exemplarischen Beispiel des organisierten antifaschistischen Kampfes auseinandersetzen - genauer mit der Geschichte des „Roten Frontkämpferbundes“. Im Oktober (im Rahmen des 85. Jahrestages der Gründung des RFB in Magdeburg) werden wir mehrere Veranstaltungen zu dieser Thematik organisieren. Dies soll wie gesagt keine einfache Abhandlung historischer Ereignisse darstellen, sondern Ziel ist eine Diskussion über die nötigen Formen und Strukturen antifaschistischer Praxis. Vorläufer des RFB Bereits Mitte Dezember 1918 bestand das Bedürfnis den „Roten Soldatenbund“ zu gründen. Der Rote Soldatenbund hatte die Aufgabe, eine breit angelegte Aufklärungs- und Agitationsarbeit für die zurückkehrenden Soldaten zu leisten. Ziel war es, weitere kampfbereite Soldaten für die Revolution zu gewinnen. Diese Entwicklung verlief allerdings nicht ohne das Einschreiten der Bourgeoisie, denn sie erkannte schnell die Gefahr einer solchen Schutz- und Wehrorganisation der revolutionären Arbeiterschaft und wusste darauf zu reagieren. Während einer Demonstration des Roten Soldatenbundes am 6.12.1918 wurden die demonstrierenden Arbeiter und Soldaten von reaktionären Kräften mit einem heimtückischen Feuerüberfall angegriffen. Das Ergebnis waren 17 Tote und viele Schwerverletzte. Doch bereits im Januar 1919, nach dem Verbot, musste der Rote Soldatenbund seine Arbeit illegal fortsetzen. Weder der Rote Soldatenbund noch die KPD waren auf solch eine Situation vorbereitet und so kam es, dass die KPD den Roten Soldatenbund Anfang Juni 1919 auflöste. Die Angriffe der Bourgeoisie und weiterer reaktionären Kräfte erforderten allerdings weitere Schutzmaßnahmen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Regional abhängig entwickelten sich im Laufe der Zeit die proletarischen Hundertschaften. Sie traten besonders stark in Mitteldeutschland, Sachsen und Berlin auf. Weiterhin gab es auch Bestrebungen innerhalb der SPD und zum Teil auch in der KPD, sog. Parteihundertschaften zu gründen. Dies allerdings hätte den Zweck und die Funktion der proletarischen Hundertschaften nicht ganz aufgegriffen. Die proletarischen Hundertschaften waren keine militärischen Organisationen, noch nahmen sie bestimmte Parteistrukturen an. Sie hatten die Aufgabe, die breiten Massen der Bevölkerung gegen Faschismus und Militarismus zu mobilisieren und vor allem die Kämpfe in den Betrieben und in den Bezirken um die politische Macht zu führen. Bereits im Oktober 1923 standen ca. 800 organisierte proletarische Hundertschaften hauptsächlich im damaligen Mitteldeutschland, Berlin und Sachsen bereit. Wie groß das Interesse der Bourgeoisie an der Zerschlagung der proletarischen Hundertschaften war, sieht man an dem Verbot der KPD und der proletarischen Hundertschaften nach den Oktober-Ereignissen 1923 in Hamburg. Die proletarischen Hundertschaften wurden im Gegensatz zur KPD auch nicht wieder legalisiert. Der Rote Frontkämpferbund wird gegründet Die Gründung des Roten Frontkämpferbundes ist auf engste mit den Ereignissen zum sog. „Deutschen Tag“ in Halle verbunden. Hier versammelten sich alle reaktionären Kräfte wie die faschistischen Stahlhelm-, Wehrwolf- und Hakenkreuzbanden. Als Reaktion darauf rief die KPD zu einem „Deutschen Arbeitertag“ in Halle auf. Es kam während des ganzen Tages zu mehreren Zusammenstößen zwischen ArbeiterInnen auf der einen Seite und Faschisten und Polizei auf der anderen Seite. Der sozialdemokratische Polizeipräsident Runge ließ auch auf ArbeiterInnen schießen. Das Ergebnis des Tages waren drei tote Arbeiter, viele Schwerverletzte und 467 Festgenommene. Als Antwort der Arbeiterklasse des Bezirks Halle-Merseburg entstanden an vielen Orten Gruppen des Roten Frontkämpferbundes. An der Jahreswende 1924/25 gehörten ihm 4300 Mitglieder an, der Roten Jungfront sogar 7500. Damit wurde die RFB-Bezirksorganisation zur stärksten in ganz Deutschland. Trotz dessen war der Anfang für die Entwicklung des RFB nicht leicht, denn es gab sehr viele Kräfte innerhalb der KPD, die die Aufgaben und Notwendigkeiten des RFB nicht erkannten. Der Rote Frontkämpferbund konnte sich trotz Anfangsschwierigkeiten vor allem in Mitteldeutschland schnell aufbauen. Ende 1924 hatte der RFB bereits über 255 Ortsgruppen, was in etwa 15000 Mitglieder entsprach. Mit einer weitergehenden Entwicklung des RFB wurde schnell klar, dass eine zentrale Bundesleitung notwendig ist, um ein Auseinanderbrechen der einzelnen Ortsgruppen zu verhindern. Im August 1924 bildete sich die erste provisorische Bundesleitung. Nach der 1. Reichskonferenz am 25. Februar 1925 wurde eine starke Bundesleitung eingesetzt, unter anderem mit Ernst Thälmann als Vorsitzenden. Die zahlenmäßige Stärkung, der Aufbau vieler neuer Ortsgruppen und die ideologische und organisatorische Festigung des gesamtem RFB standen von nun an im Mittelpunkt. Bereits am 1. Januar 1926 stieg die Ortsgruppenzahl des RFB auf 1237. Im Laufe der Entwicklung war es für den RFB unabdingbar, enger mit der KPD in Verbindung zu treten. Dafür war es notwendig, dass immer mehr Mitglieder der Kommunistischen Partei praktische Aufgaben in den einzelnen RFB- Abteilungen übernahmen. Dies sollte keine Bevormundung der parteilosen Mitglieder darstellen, sondern sicherte die Stellung der KPD auf dem Gebiet der proletarischen Wehrerziehung. Das schnelle Wachstum, was wir an den einzelnen Reichstreffen ablesen können, hängt auch stark von dem Einsatz der KommunistInnen im Bund zusammen. Bereits auf dem ersten Reichstreffen versammelten sich über 30000 Angehörige des RFB und Arbeiter und Arbeiterinnen. Diese Zahl stieg von Jahr zu Jahr an, so kamen bereits mehrere Hunderttausende Menschen zum Pfingsttreffen im Berliner Lustgarten 1928. Kurt Finker schreibt dazu in seinem Buch: „Am Pfingstsonntag, dem 27. Mai, marschierten über 100 000 Rote Frontkämpfer im Lustgarten auf.(...) Über 500 000 Berliner Werktätige begrüßten in den Straßen der Stadt die marschierenden Kolonnen oder nahmen an der Kundgebung teil und sprachen sich gegen Militarismus und die imperialistische Kriegsvorbereitung aus.“ Die Reichstreffen sind symbolisch dafür, dass sich der Kreis der Arbeiterbewegung die bereit sind für die Revolution zu kämpfen um ein vielfaches erweitert hat. Das enorme Anwachsen des RFB löste natürlich über die Jahre auch Reaktionen bei der Bourgeoisie und militaristischen und faschistischen Verbänden aus. So gab es immer wieder Versuche und Provokationen um gegen den RFB vorgehen und ihn letztlich auch verbieten zu können, wie wir weiter unten feststellen werden. Trotz solch einer Vorgehensweise ließen sich die Arbeiterinnen nicht einschüchtern, wie mensch am 1. Mai 1929 sehen kann. „Am 1. Mai -Demonstration in Berlin. Trotz Aufrechterhaltung des Demonstrationsverbot durch den sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Zörgiebel folgen rund 200 000 Arbeiter dem Ruf der KPD zur Demonstration für ihre sozialen Forderungen gegen die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus und für die Verteidigung der UdSSR, während die Führer der SPD und der Gewerkschaften das demokratische Recht der Demonstration preisgeben. Die Polizei provoziert und schießt auf die Demonstration. Zur Abwehr errichten die Arbeiter spontan Straßensperren, im Wedding und in Neukölln Barrikaden. Der Terror der Polizei fordert 33 Tote und Hunderte Verletzte; über 1200 Arbeiter werden verhaftet. (Klaus Neukrantz: Barrikaden am Wedding). Diese Tatsache zeigt, dass sich der RFB zu einer der stärksten Organisation der gesamten Arbeiterschaft entwickelt hat. Aufgaben des RFB Die konkreten Aufgaben des Roten Frontkämpferbundes kann mensch in zwei große Bereiche unterteilen. Er war sowohl eine Abwehr- und Schutzorganisation als auch eine antimilitaristische Propaganda- und Kampforganisation. Eine Aufgabe die vor allem für die Soldaten, aber auch für die anderen Teilen des Proletariats, die im 1. Weltkrieg gekämpft hatten, bestimmt war, war die Aufklärung der wahren Hintergründe für den Krieg, das Aufzeigen der imperialistischen Interessen der verschiedenen imperialistischen Staaten. Ziel war es, die Arbeiterschaft und Soldaten darüber aufzuklären, dass keine Menschen mehr für die Interessen der Bourgeoisie geopfert werden dürfen und das sich diese in die rote Klassenfront einreihen sollen, um für die Revolution und für die Befreiung des Proletariats zu kämpfen. Eine weitere zentrale Aufgabe stellte für den RFB der Veranstaltungs- und Demonstrationschutz dar. Hiermit war zum einen der Schutz der Arbeiter vor faschistischen und polizeilichen Übergriffen auf Demonstrationen und Veranstaltungen gewährleistet und zum anderen konnte der RFB seine konsequenten und entschlossen Eigenschaft nach Außen hin sehr gut repräsentieren. Der gesamte RFB legte sehr viel Wert auf das Auftreten der einzelnen Mitglieder und dementsprechend wurden auch die Demonstrationen immer in geordneter Form durchgeführt, um bei den Arbeiteterlnnen kein Gefühl von Angst und Schrecken hervorzurufen. Auch bei den örtlichen Polizeistellen löste die Selbstdisziplin der RFB- Mitglieder immer Verwunderung aus. Selbst Provokationen seitens der Polizei und von Faschisten wurden größtenteils immer wieder vereitelt. Andererseits wussten die RFB-Einheiten sehr wohl zu reagieren, sobald eine ernsthafte Gefahr für die Arbeiterschaft bestand. Angeführt wurden (RFB-) Demonstrationen immer von ausgewählten RFB-Genossen, was ein Einschreiten der Polizei in die Demonstration extrem erschwert hat. Im jeweils eigenen Bezirk, bei uns wäre es Stadtfeld Ost, hatten die RFB- Ortsgruppen wiederum andere Aufgabe, außer was das Einschreiten bei Übergriffen betrifft. Die einzelnen RFB-Einheiten waren unterteilt in Gruppen, Zügen und Kameradschaften, was ein Einteilen der einzelnen Mitglieder in den verschieden Straßen ermöglichte. Dabei gab es im Normalfall, immer einsatzbereite Gruppen, die Wachdienst hatten. Im Alarmfall, sprich ein Überfall von Nazis oder der Polizei stand bevor, war jedes RFB- Mitglied dazu verpflichtet, sowohl die Menschen im Kiez zu schützen, als auch Objekte und Einrichtungen von Arbeitern und Kommunistinnen unter besonderer Obhut zu nehmen. Aufgrund der zugespitzten Klassenlage war der RFB auch dazu verpflichtet, einzelne Plakate des Bundes und auch der KPD zu bewachen. Auch dazu gab es Einteilungen in verschieden Gruppen, die unterschiedliche Straßen abzusichern hatten. In beiden Fällen galt, dass sowohl der Bezirk vor Übergriffen, als auch Plakate und Einrichtungen mit allen Mitteln verteidigt wurden und die Angreifer in die Flucht geschlagen wurden. Nicht zuletzt aufgrund der kontinuierlichen proletarischen Wehrerziehung hat der Bund ein außerordentlich klassensolidarisches Verhalten nach außen hin verkörpert und war immer bereit Klassenbrüder und Klassenschwester in jeder Situation zu helfen. Selbst bei anstehenden Zwangsräumungen traten Mitglieder des RFB ein, um solche Schikanen seitens der Bourgeoisie zu verhindern. Doch auch damit sind die Aufgaben des RFB nicht erschöpft, das Ansehen wuchs immer mehr innerhalb der Bevölkerung, als auch vermehrt RFB- Einheiten bei Naturkatastrophen, Bränden, usw. eintrafen und sofort mit geholfen haben. Verbot des RFB Wie bereits schon mehrfach angesprochen, hat die Bourgeoisie öfters versucht Gründe zu finden, um den RFB verbieten zu können. Den mehr oder weniger ersten Anschlag auf die Organisation verübte der deutschnationale Innenminister von Keudell, der am 16. April 1928, kurz vor den Reichstagswahlen im Mai, das Ersuchen an die Länderregierungen richtete, um den RFB zu verbieten. Ein Tag später, am 17. April, wurde das Verbot auch innerhalb der Arbeiterschaft, des Bundes und der KPD bekannt. Die Folge war nun ein riesiger Proteststurm, den von Keudell nicht erwartet hat. In vielen Städten, wie auch in Magdeburg, fanden mehrere Demonstrationen gegen das Verbot statt. Die größte war in Berliner Lustgarten mit über 150 000 anwesenden Arbeiter und ArbeiterInnen. Der Bund reagierte ebenfalls mit einer riesigen Aufklärungskampagne und es gelang ihm sogar, 80 neue Ortsgruppen zu gründen. Der Blutmai von 1929, bei den 33 Todesopfer gab, bot der Reaktion wieder die Möglichkeit das Verbot nun mit aller Konsequenz durchzuziehen. Am 3. Mai 1929 verfügte der preußische Innenminister mit Zustimmung der Reichsregierung die Auflösung des RFB mit allen seinen Sektionen im ganzen Land Preußen. Dem Verbot Preußens folgte Bayern, Sachsen und Hamburg. Als letzes Land folgte Braunschweig am 14. Mai. Es war klar, dass die Klassenjustiz sofort gegen die Mitglieder des RFB eingesetzt wurde. Sechs Monate nach dem Verbot waren schon über tausend Mitglieder nach dem sog. „Gesetz zum Schutze der Republik“ verurteilt. Selbst die Illegalisierung des RFB konnte nicht verhindern, dass auch viele RFB- Genossen während des Faschismus aktiv waren.
Ernst Thälmann Fünf Jahre Roter Frontkämpferbund Fünf Jahre sind vergangen, seit die revolutionäre Arbeiterschaft Deutschlands sich den RFB, die Wehr- und Kampforganisation des deutschen Proletariats, geschaffen hat. In diesen fünf Jahren ist der RFB aus seinen ersten Anfängen zu einer gewaltigen Massenorganisation des proletarischen Kampfes gewachsen. Gewachsen nicht nur äußerlich, nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem auch innerlich, in dem immer klareren Verständnis aller seiner Formationen für die Aufgaben, die die Entwicklung des proletarischen Freiheitskampfes und der revolutionären Bewegung in ihren verschiedenen Etappen mit sich bringt, vor allem auch in der immer tieferen Verankerung des RFB in den Sympathien der breitesten werktätigen Massen in Stadt und Land. Gerade diese Verwurzelung des RFB in den Massen, seine enge Verbundenheit mit den breitesten Schichten der arbeitenden Bevölkerung und die Anziehungskraft, die er auf diese Schichten ausübt, wecken den verbissenen Haß aller Schichten der Reaktion, von den extremen Rechtsparteien der Bourgeoisie bis zu ihren getreuen sozialdemokratischen Lakaien.
Fünf Jahre RFB. Die alljährlichen Reichstreffen haben bewiesen, wie eng die Bindung zwischen den Roten Frontkämpfern und den breitesten Volksschichten ist. Jener stürmische, jubelnde Empfang, der jahraus, jahrein bei den Reichstreffen des RFB unseren Kameraden seitens der Arbeiterschaft, von Männern wie Frauen, von den Ältesten wie den Jüngsten, zuteil wurde - war das krasse Gegenstück zu jener Verachtung und jenem Haß, mit dem die Stahlhelmfaschisten bei ihren Aufmärschen allenthalben empfangen wurden, so daß sie sich nur unter dem Schutz sozialdemokratischer Polizeipräsidenten zu zeigen wagten.
Fünf Jahre RFB. In diesen fünf Jahren mußte sich die proletarische Wehrorganisation immer von neuem gegen die Anschläge der Bourgeoisie und der Sozialdemokratie zur Wehr setzen. Noch vor Jahresfrist unternahm der damalige deutschnationale Reichsinnenminister Keudell seinen Anschlag gegen den RFB, den er verbieten wollte. Damals war es der gewaltige Proteststurm aus allen Betrieben und Arbeiterorganisationen, der das Vorhaben Keudells verhinderte. Heute sind es Severing und der preußische sozialdemokratische Innenminister Grzesinski, die mit vereinten Kräften auf das Verbot des RFB zusteuern. Aber wiederum werden sich die Massen des arbeitenden Deutschlands wie ein Schutzwall um den Roten Frontkämpferbund scharen und den Kampf gegen die reaktionären Umtriebe der regierenden Sozialfaschisten und Reichswehrsozialisten aufnehmen. Auch diejenigen proletarischen Schichten, die heute noch nicht im Lager des revolutionären Klassenkampfes stehen, begreifen, daß ein Anschlag gegen den RFB ein Schlag gegen alle Teile des Proletariats, gegen die gesamte arbeitende Bevölkerung sein würde. Denn das RFB-Verbot - das begreift jeder Arbeiter - würde die unmittelbare Vorbereitung der Bourgeoisie auf den Krieg, würde zugleich die Einleitung einer allgemeinen verschärften Hungeroffensive des Kapitals gegen die werktätigen Massen bedeuten.
Fünf Jahre RFB. Als der Rote Frontkämpferbund gegründet wurde, war er in erster Linie eine Schutz- und Wehrorganisation des Proletariats gegen den Faschismus, gegen Stahlhelmbanditen und Hitlergarden. Heute hat sich der Aufgabenkreis des RFB gewaltig erweitert. Einmal ist im Zusammenhang mit der allgemeinen Rechtsentwicklung der SPD und des Reformismus das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zu einer Stütze des Faschismus und Imperialismus geworden. Hörsing und Höltermann sowie der ehemalige Faschistenmajor und heutige Reichsbanner- und SPD-Führer Mayr haben sich und die von ihnen geführte Organisation völlig in den Dienst der imperialistischen Aufrüstung, des militaristischen Wehrgedankens und der ideologischen Erziehung der Arbeitermassen für den imperialistischen Krieg gestellt. Mit ihren Mordriegen und Rollkommandos, mit dem Einsatz des Reichsbanners für Streikbrecherschutz haben sie zugleich der Bourgeoisie die Dienste des Reichsbanners für den inneren Krieg, für den Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung zur Verfügung gestellt. Der Bettelbrief Hörsings an Fabrikanten, denen er „gegen hohe Geldzuwendungen" die Dienste des Reichsbanners „für Ihr Glück und Ihre Sicherheit" anpries, war ein unzweideutiger Beweis für diese Reichsbannerkorruption. Dieser Linie der Entwicklung entspricht es, daß der RFB seinen Kampf gegen das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als eine der wichtigsten, ja, der ausschlaggebenden Schutztruppe der Bourgeoisie bei ihren Kriegsplänen wie ihren faschistischen Diktaturumtrieben verschärfte. Andererseits entwickelte sich in den fünf Jahren seines Bestehens der Rote Frontkämpferbund als vornehmlich antifaschistische Organisation zur Kampftruppe des Proletariats gegen den Imperialismus, gegen die Kriegstreiber. Das Treuegelöbnis, das der Rote Frontkämpferbund anläßlich seines III. Reichstreffens für die Sowjetunion als dem Vaterland aller Arbeiter und für die Sache der Weltrevolution ablegte, war nur der äußere Ausdruck dafür, daß der RFB unermüdlich den Kampf gegen den imperialistischen Krieg, den Kampf zur Vorbereitung der Massen für die Umwandlung des imperialistischen Krieges in die proletarische Revolution betreibt und damit wichtigste Vorarbeit leistet für jene gewaltigen Aufgaben, die die deutsche Arbeiterschaft in einem kommenden imperialistischen Kriege bewältigen muß.
Der fünfte Jahrestag des Roten Frontkämpferbundes fällt in eine ernste Situation. Die Kriegsvorbereitungen der Imperialisten haben sich ungeheuer verschärft. Das imperialistische Deutschland, geführt von den Groener, Hindenburg, Hermann Müller und Severing, hat sich, wie die Reparationsverhandlungen in Paris [1] deutlich bewiesen, restlos auf die Seite des englisch-französischen Antisowjetblocks geschlagen und bereitet sich zur aktiven Teilnahme an dem Überfall der imperialistischen Räuber auf die Sowjetunion vor. Die Klassengegensätze zwischen Proletariat und Bourgeoisie, zwischen den werktätigen Massen und dem herrschenden Trustkapital spitzen sich zu. Unter diesen Bedingungen muß der RFB viel stärker in ein neues Tätigkeksfeld eindringen, das seine Aufgaben als antifaschistische und antiimperialistische Wehr-Organisation ergänzt: Verteidigung der Wirtschaftskämpfe des Proletariats, Streikschutz und andere Aufgaben dieser Art. In der Vorbereitung des imperialistischen Weltkrieges geht die Bourgeoisie dazu über, auch auf die letzten demokratischen Fassaden zu verzichten und rüstet sich immer ernsthafter zur faschistischen Diktatur, unter deren Trägern die Sozialdemokratie und die sozialfaschistischen Kräfte des Reichsbanners eine besonders hervorragende und gefährliche Rolle spielen werden. Der Zörgiebel-Kurs in Berlin, die Maßnahmen der staatlich-polizeilichen Reaktion in den verschiedenen Teilen Deutschlands zeigen, daß die Bourgeoisie erneut zum Verbot des RFB rüstet. Man will uns in die Illegalität treiben. Das Proletariat wird nicht dulden, daß seine einzige Wehrorganisation unterdrückt wird. Es gilt, den Kampf gegen das drohende Verbot zu führen und durch rücksichtslosen Massendruck, durch kühnes, revolutionäres Auftreten - das jede legalistische Taktik des Zurückweichens ausschließt -, den RFB gegen Anschläge und Machenschaften der Konterrevolution zu sichern.
In dieser Situation muß und wird der Rote Frontkämpferbund seine Pflicht als revolutionäre Kampf Organisation des Proletariats gegen Faschismus und Imperialismus erfüllen, seine Pflicht als Verkörperung des proletarischen Internationalismus! Darum ist es kein Zufall, daß sich der RFB gerade heute dazu rüstet, gemeinsam mit den Wehrorganisationen in den übrigen Ländern das brüderliche Band des Internationalismus durch die Schaffung der roten Wehrinternationale des Proletariats noch enger zu knüpfen. Fünf Jahre RFB. Gestählt und gehärtet im Feuer dieser fünf Jahre revolutionären Klassenkampfes, ist der Rote Frontkämpferbund vom ersten bis zum letzten Kameraden bereit, auch in Zukunft seine revolutionäre und proletarische Pflicht zu erfüllen.
Thälmann, Ernst: Reden und Aufsätze zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 2, Berlin 1956, S. 25 - 29
Anmerkung: 1. Gemeint ist die Pariser Sachverständigenkonfernz (11.Februar bis 7.Juni 1929), auf der sich die Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Belgiens, Japans und Deutschlands über den Wortlaut des Youngplans einigten. |