Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren!!! RFB - Text 2. Teil

„Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren“ stellt für uns nicht nur ein Parole dar. Es ist vielmehr  eine Notwendigkeit im kapitalistischen System. Um das zu erkennen, bedarf es keiner konkreten Analyse, sondern eigentlich nur das Aufschlagen einer Zeitung oder das Anschalten des Fernsehers, wo wir Tag für Tag neue Berichte darüber zu lesen oder zu hören bekommen, dass MigrantInnen, Homosexuelle, alternative Jugendliche, Obdachlose oder eben einfach nur Andersdenkende von Rassisten und Nazis bedroht, beleidigt und geschlagen werden. Menschen, die als Abfallprodukte der kapitalistischen Gesellschaft behandelt und ausgegrenzt werden, sind vollkommen schutzlos. Schutzlos nicht nur in dem Sinne, dass sie jeden Tag damit rechnen müssen, auf's Maul zu bekommen, nein, denn ein blaues Auge ist nur der sichtbarste Ausdruck der alltäglichen Gewalt. Erwerbslose, Hartz IV - Abhängige, MigrantInnen in den Abschiebeknästen u.a. müssen bei sämtlichen Ämtern um jeden Cent betteln und dafür kämpfen ihr eigenes (Über-) Leben und das ihrer Familie zu sichern. Das Ganze ist nicht eine Entwicklung, die erst seit einigen Jahren zu beobachten ist. Der Kapitalismus an sich beruht im Kern auf der Existenz von zwei Klassen – die Besitzlosen und die Besitzenden - , welche sich in einem unauflöslichen Widerspruch befinden. Wir, als Klasse der Besitzlosen, dürfen schuften gehen, um Anderen den Arsch warm zu halten und deren Reichtum zu finanzieren. Wir dürfen bereit stehen in einem großen Heer von Arbeitslosen und hoffen, irgendwie an Geld zu kommen. Zum Glück befinden wir uns gerade in einem Stadium, wo die Kapitalisten noch genug Geld für uns übrig haben um den Erwerbslosen 351€ zu geben und das nur unter schwierigen Bedingungen. Dabei darfst du dann noch für 1,28€ los tingeln, um irgendwelche Drecksarbeit zu leisten. Die große angekündigte Krise, die im Kapitalismus all zu normal ist, wird es nicht besser machen - ganz im Gegenteil. Bald dürfen wir uns alle mit Essensmarken und Wertgutscheinen los bewegen, um unser Leben irgendwie abzusichern. Darin sehen wir den klarsten Ausdruck der Gewalt, die uns tagtäglich widerfährt und die es gilt zu bekämpfen. Auch in den Betrieben oder in den Schulen sieht es nicht anders aus. Hungerlöhne durchziehen die ganze Gesellschaft und es überlebt der Teil, der genug Geld hat. Zustände die wir nicht hinnehmen dürfen.
Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Faschismus und Kapital. Das sehen wir nicht nur daran, dass 25% der NPD (innerhalb der Führungsebene) mit sogenannten Verfassungsschützern durchsetzt ist, sondern auch an dem fehlendem Engegemanet seitens des Staates, seitens vieler Behörden und vorallem seitens des sogenannten „Freund & Helfer“, der Polizei. In der kapitalistischen Gesellschaft übernehmen die Faschisten die Aufgabe, Menschen bewusst auszugrenzen und diese brutal zu behandeln, nur weil sie eben so sind wie sie sind - Angehörige unserer Klasse. Das sind Tatsachen, die nicht unerheblich zu berücksichtigen sind. Wir können nur in einem gemeinsamen Kampf, in einer gemeinsamen Organisierung, die wir selbst bestimmen, diesen Widersprüchen entgegentreten und unsere eigene Gesellschaft, frei von Ausbeutung und Unterdrückung, aufbauen. Jede/r, welche /r  ihre/ seine Augen auf macht merkt, dass unser Widerstand mit allen Mitteln gebrochen werden soll. Damit ist nicht nur der organisierte Widerstand gemeint, nein, auch die Menschen, die sich das nehmen, was sie zum Überleben brauchen sind damit gemeint. Viele Knäste sind überfüllt, Menschen werden eingeknastet, weil sie sich kein Ticket zum Betrieb oder zum nächsten ARGE-Termin leisten können, weil sie klauen gehen, um das zu haben, was jeder Mensch braucht-Essen. Darin widerspiegelt sich die konkrete Bedrohung unserer Klassenschwestern und Klassenbrüder und dementsprechend müssen wir   Schutz gewährleisten.
Doch auf welche Weise können wir bestenfalls einen Selbstschutz organisieren? Um dieser Frage wieder ein Stück näher zu kommen veranstalteten wir von Zusammen Kämpfen gemeinsam mit der DKP einen Aktionsmonat zum Roten Frontkämpferbund (RFB).
Dieser war eine antifaschistische und antimilitaristische Schutz - und Wehrorganisation der damaligen ArbeiterInnenbewegung und existierte von 1924-29. Wir haben uns im Zuge dieses Aktionsmonates mit der Organisierung der ArbeiterInnenbewegung in den 20er Jahren auseinandergesetzt und nun liegt es in unserer Hand auch praktische Erfahrungen für uns als revolutionäre AntifaschistInnen zu gewinnen. Der organisierte Selbstschutz des RFB begrenzte sich dabei nicht nur auf die reinen Selbstschutzaktivitäten vor Nazis, sondern hatte immer zum Ziel möglichst breite Schichten der Arbeiter und Arbeiterinnen zu organisieren. Die Entstehungszeit des RFB war gekennzeichnet durch Wirtschaftskrisen und Putsche, die hauptsächlich das damalige Proletariat zu tragen hatte. Dabei wurden nicht nur die größten Hauptlasten des 1. Weltkrieges und der folgenden Krisen auf das Proletariat abgewälzt. Viele Arbeiter und Arbeiterinnen starben im Zuge von Auseinandersetzungen mit der Polizei und mit faschistischen Verbänden und Organisationen, wie der Stahlhelm oder später dann die SS. All dies waren Gründe für die Herausbildung des RFB als Schutz- und Wehrorganisation. Eine Schutzorganisation, um gegen die staatlichen und faschistischen Angriffe eine Antwort zu haben und eine Wehrorganisation, um darüber hinaus revolutionäre Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Standpunkt des Klassenkampfes zu organisieren.
Der RFB war zwar ein Tei der kommunistischen Gesamtbewegung, aber ideologisch dennoch unabhängig, denn ca. 50% der Mitglieder des RFB waren parteilos. Dennoch gelang es den KommunistInnen innerhalb des RFB den Bund sowohl politisch als auch ideologisch zu festigen, mit Hilfe von verschieden Schulungsseminaren und Wehrausbildungen. Der RFB hat es innerhalb von 5 Jahren geschafft, ca. 200.000 Arbeiter zu organisieren. Ab 1924 gab es dann kaum eine Demonstration der revolutionären ArbeiterInnenbewegung ohne den Schutz des RFB.
Sowohl die Entstehungsgeschichte, als auch die weitere Entwicklung des RFB zeigt uns klar und deutlich, dass die antifaschistsche Schutz – und Wehrorganisation Teil des Klassenkampfes der ArbeiterInnen war und sein musste. Der Kampf gegen die Angriffe des Staates und der Faschisten – als Dienstleistungsunternehmen der Kapitalisten – wurde auf einer klassenkämpferischen Grundlage geführt. Es wurde stets aufgezeigt, dass der Kapitalismus den Faschismus als weiteres Werkzeug zur Niederschlagung unserer Klasse und zur Durchsetzung kapitalistischer Interessen benutzte.

Der Selbstschutz in Magdeburg
Wir stellen hier zwar nicht die Frage, ob es in diesem Moment politisch richtig wäre, den RFB neuzugründen, dafür sind wir als Bewegung noch zu schwach um solch einer Organisation gewachsen zu sein. Viel wichtiger ist es, Erfahrungen zu sammeln und Parallelen zu ziehen, um den organisierten Selbstschutz zu festigen. Denn auch in Magdeburg gibt es seit den 1990er Jahren einen organisierten Selbstschutz, der mal erfolgreich und mal weniger erfolgreich verlief. So ist es beispielsweise kein Zufall, dass Stadtfeld nahezu nazifrei ist, sondern das Ergebnis von kontinuierlicher antifaschistischer Praxis.
Diejenigen, die sich an Selbstschutzaktivitäten beteiligen oder beteiligt haben, können zwei Sachen feststellen:

1. Dass eine kontinuierliche Selbstschutzpraxis Erfolg hat, d.h. dass weniger Nazis im Strassenbild sind, dass Faschisten wegziehen mussten oder dass weniger Übergriffe auf Punks, alternative Jugendliche oder eben Andersdenkende stattfanden.
Dass der Rückgang von Selbstschutzaktivitäten im eigenen Kiez dazu führt, dass Faschisten wieder offener im eigenen Stadtteil auftreten.

Jede / r, der / die einen nazifreien Kiez haben will, sollte und muss dafür auch Verantwortung übernehmen. Warum das so ist, möchten wir an einem recht prägenden Beispiel erklären. Wir werden dafür einen kurzen Abriss der Selbstschutzaktivitäten geben, hauptsächlich ausgehend vom AZ (Autonomer Zusammenschlusz), zu mal sich die meisten Erfahrungen auf den AZ (1999- 2002) beziehen und weil alles andere hier den Rahmen sprengen würde.
Zur Entstehung des AZ war die Situation in Magdeburg so, dass die Nazis in Magdeburg sehr selbstbewusst auftraten und darüber hinaus auch in Stadtfeld aktiv waren. Nicht, dass sie hier regelmäßig feste Treffpunkte oder Veranstaltungen organisiert hatten, aber sie bewegten sich frei in 39108, griffen linke Veranstaltungen an und haben diese zum Teil unterbunden. Auch Übergriffe im eigenen Kiez waren nicht selten.
Jedoch konnte die Situation innerhalb kurzer Zeit gekippt werden. Grund hierfür war eine kontinuierliche Selbstschutzpraxis im eigenen Kiez. Einige Faschos mussten weg ziehen, es kam seltener zu Überfällen und es war nun mehr nicht mehr möglich linke Veranstaltungen zu unterbinden. Ganz im Gegenteil, immer mehr Nazi-Veranstaltungen konnten unterbunden werden. Wesentlich für die Selbstschutzpraxis damals waren Kiezspaziergänge, Nazi- Outings, hauptsächlich im Sündenbock (lokale Szenezeitschrift) und im Wohnumfeld von Nazis, welche im Kiez wohnten. Weiterhin bestand ebenfalls auch ein Notfalltelefon und eine Telefonkette, um im Alarmfall schnell reagieren zu können. Auch ein dementsprechendes Auftreten an die Öffentlichkeit war notwendig, welches mit Hilfe von Selbstschutzplakaten abgedeckt wurde. Weiterhin gehörten auch viele Sprüherein zum Stadtteilbild.
Mit dem einsetzenden 129a - Verfahren hier in Magdeburg schlief auch gleichzeitig die Selbsschutzpraxis fast gänzlich ein. Die Bewegung vor Ort war angeschlagen und konzentrierte sich ganz auf die Abwehr des Repressionsschlages.
Hier konnte ziemlich schnell festgestellt werden, dass das Abebben von antifaschistischer Praxis auch gleichzeitig ein Anstieg der Naziaktivitäten bedeutet. Hier in Stadtfeld hieß das konkret mehr Nazisprüherein und mehrere Übergriffe in der Beimssiedlung (Stadtfeld- West).
Eine Schwäche, die auch erklärbar ist, denn wenn Selbstschutzaktivitäten nur von einer Struktur getragen werden (in dem Fall AZ), ist es selbstverständnis, dass diese mehr in Phasen als kontinuierlich verläuft. Eine Beteiligung aller, die einen nazifreien Kiez haben wollen ist notwendig. Das bedeutet nicht unbedingt nur die Teilnahme an Spaziergänge oder Ähnlichem, sondern auch Verantwortung zu übernehmen zur Organisierung möglichst vieler AntifaschistInnen.
Seit 2005 entwickelte sich dann ausgehend von GIS (Gruppe Internationale Solidarität) und AAMD (Autonome Antifa Magdeburg) wieder eine sporadische Selbstschutzpraxis in 39108 und 39110. Wie oben schon ein mal erwähnt, bauten diese Aktivitäten auf den Erfahrungen des AZ auf und es wurde der Versuch unternommen diese auch zu erweitern. Auch hier kam es wieder zu ermutigenden Ergebnissen, d.h. es waren weniger Nazis im Strassenbild zu erkennen, es gab immer weniger Sprüherein und vor allem die Übergriffe ließen nach. Umgesetzt wurde dies mit regelmäßigen Kiezspaziergängen, Outing- Plakaten und einer Telefonkette. Es wurden auch - mittlerweile vier - Fussballturniere in der Beimssiedlung organisiert, welche Jugendliche aus unserem Stadtteil zusammenführte und eine Grundlage zur weiteren politischen Arbeit schaffte. Weiterhin standen diese immer im klaren Zusammenhang mit den Selbstschutzaktivitäten; „Jeder liebt sein Viertel- Nazifrei.“ Ein wesentlicher Punkt, der innerhalb der Selbstschutzpraxis noch sehr ausbaufähig ist und auch unbedingt intensiviert werden müsste.
Auch heute gibt es noch Selbstschutzaktivitäten, die aber bisher nur unzureichend die gemachten Erfahrungen, speziell des AZ, mit einbeziehen. Damit sind nicht nur die aktuellen Vorbereitungen zum Naziaufmarsch gemeint, denn es reicht nicht nur ein mal im Jahr aktiv zu werden.
Es gab in der jüngeren Vergangenheit wieder verstärkt Kiezspaziergänge, doch einige Schwächen bleiben weiterhin die Gleichen. Es ist nach wie vor so, dass die Selbstschutzaktivitäten abhängig von Einzelpersonen oder einzelnen Strukturen sind. Das heisst konkret: Wenn keine Initiative von diesen ausgeht, findet auch keine Praxis statt. Ein Schwachpunkt, den es gilt unbedingt aufzuheben, denn wie gesagt, wir alle sind dafür verantwortlich, das unsere Kiez sauber ist und bleibt.
So wird bisher nur unzureichend mit Plakaten gearbeitet, um auch die Leute im Kiez darüber zu informieren, dass Nazis in ihrem Umfeld wohnen. Doch dies ist nicht nur wichtig, um Menschen über Nazis zu informieren, sondern bedeutet für uns auch mehr Öffentlichkeit und wir sind somit auch als Linke Bewegung besser erkennbar und wahrnehmbar. Wie gesagt, für uns bedeutet Selbstschutz nicht nur die Fähigkeit, sich körperlich mit Nazis auseinander zusetzen, es ist viel wichtiger möglichst viele AntifaschistInnen zu organisieren und darüber hinaus auch den Zusammenhang vom Faschismus und Kapitalismus aufzuzeigen. Selbstschutz kann viel bedeuten, viele Fussballturniere im eigenen Kiez, Plakate, Sprüherein, Kiezspaziergänge, Sport... . Doch all dies können wir nur gemeinsam umsetzen, ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein führt lediglich zur Diskontinuität und hilft keinem weiter. Die Selbstschutzpraxis muss eine Eigendynamik entwickeln, die in der Lage ist, unseren Kiez vor Naziangriffen zu schützen und darüber hinaus auch eigene politische Akzente zu setzen. Jede(r) Einzelne kann dazu seinen/ihren Beitrag leisten.

Beteiligt euch an den Selbtschutzaktivitäten- immer und über all!

Schafft Klassenautonomie!
Organisiert euch in euren Kiez, in den Betrieben und in den Schulen; auf allen Ebenen Nazis entgegentreten!!

Weiterhin laden wir alle StadtfelderInnen, AntifaschistInnen, SFO-ler und all diejenigen, die einen  Kiez frei von Nazis haben wollen, zu unseren Selbstschutztreffen ein.
 
Weitere Veranstaltungshinweise findet ihr in dieser Ausgabe der Rabatz!!!

Rot Front

Zusammen Kämpfen- Für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung

Jingle

Schwerpunkt Antifa